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FrüWoWe Workshop-Beschreibungen PDF Drucken
07.04.13

Liebe Teilnehmer_innen des FrüWoWes am nächsten Wochenende,

hier als Vorgeschmack schonmal einige Workshop-Beschreibungen - die volle Palette erhaltet ihr dann vor Ort als Reader.

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Arbeit nervt! - Einführung in die Kritik der Arbeit (Janis)

Das Verhältnis der Arbeiterbewegung zur Arbeit ist in der Regel ein positives und gipfelte in einer kultischen Verehrung der Arbeit im realexistierenden Sozialismus. Von Beginn an regten sich jedoch auch Stimmen, die in der Arbeit nichts positives Erblicken wollten. Nicht  zuletzt  der Schwiegersohn von Karl Marx, Paul Lafargue, hat mit seinem polemischen Aufsatz: "Das Recht auf Faulheit" versucht dem von der Sozialdemokratie geforderten 'Recht auf Arbeit' etwas entgegen zu setzen.
In dem Workshop wollen wir uns einen kritischen Begriff der Arbeit, der Grundlage für eine weitere Auseinandersetzung mit und Einordnung von vor allem Positionen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie aber eben auch der antikapitalistischen Linken ist, erarbeiten.

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Frauen im Kapitalismus (Quote, Berufsbilder) (Isa)

Immer noch übernehmen Frauen weltweit 2/3 der Hausarbeit und Kindererziehung. Dies geht zurück auf eine über Jahrhunderte etablierte Einteilung der Arbeit in Reproduktions- und Produnktionsverhältnisse. Doch warum kam es zu dieser Einteilung? Was bedeutet diese Aufteilung für unsere heutige Gesellschaft? Und was haben Diskussionen um Frauenquoten für Jobs in leitenden Positionen mit dieser Struktur zu tun? 
Diesen Fragen wollen wir im Seminar nachgehen, welches einen Einstieg in das Verständnis von Frauen im Kapitalismus bieten soll.

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Sozialistischer Feminismus – Was ist das denn bitte?! (Jule)
 
Ein neoliberaler und individualistische Feminismus hat sich breit gemacht: Heute kann frau* kann angeblich alles erreichen, wenn sie nur die Ellenbogen ausfährt, die neusten Schuhe kauft, genug Schokolade im Kühlschrank hat und eine vielfältige Kollektion von Vibratoren. Feminismus wird als Begründung für Interventionkriege und rassistische Ressentiment missbraucht. Die Umsetzung feministischer Forderung, wie das Recht auf Erwerbsarbeit oder bessere Kinderbetreuung, ließen sich häufig gut in die Entwicklung und Notwendigkeiten des Kapitalismus einbetten. Wie kann aber ein ganz anderer Feminismus aussehen - ein sozialistischer Feminismus?  

Von manchen Marxist*innen zum Nebenwiderspruch degradiert, fristet der Feminismus innerhalb der politischen Linken häufig nur im Schatten der Kritik an Kaptial und Eigentumverhältnissen.  
Doch historisch ist die Forderung von Gleichstellung von Mann* und Frau* bereits bei den Frühsozialisten ein wichtiger Teil ihrer Utopie, die Sozialistin Clara Zetkin kämpfte im deutschen Kaiserreich für gute Lebens- und Arbeitsbedingungen der Proletarierinnen, in der 68er-Bewegung begehrten die Frauen mit dem berühmten Tomatenwurf gegen die Vernachlässigung ihrer weiblichen Perspektive in der Studierendenbewegung auf und heutige Feministinnen wie Laury Penny kommen nicht ohne gehörige Portion Kapitalismuskritik aus.

In diesem Workshop wollen wir uns daher mit sozialistischen Perspektiven im Feminismus und feministischen Forderungen in sozialistischen Bewegungen beschäftigen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Strömungen deutlich machen und diskutieren.

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Weiß sein – Schnauze Halten?
Einführung in die Critical Whiteness und ihre Kritik. (Daniel)

*„Es geht nicht, dass wir weiße irgendwie über (Anti)-Rassismus Vorträge
halten, geschweige denn diese moderieren. So was wie „Kritisches weißSein“
ist ein Widerspruch in sich! Wir weiße, unsere Körper, unsere Stimmen,
unsere Gedanken sind immer rassistisch.“ (aus einem offenen Brief
anlässlich eines ‚rassistischen Übergriffs‘)*

Dürfen Weiße über Rassismus reden? Kann es weiße Antirassisten überhaupt
geben? Spätestens mit dem No-Border Camp in Köln 2012 und dem dortigen
Auftreten der Gruppe „Reclaim Society“ geriet ein antirassistisches Konzept
in den Fokus der radikalen Linken, dass doch in etwas weichgespülterer Form
schon längst starken Einfluss auf antirassistische Praxis und Kritik nimmt:
Die kritische Weißseinsforschung. Ihr geht es v.a. darum, den
antirassistischen Blick weg von den Opfern des Rassismus zu wenden, hin zu
den (als weiß wahrgenommenen) Rassisten. Mit der Analyse der Kategorie
„Weiß“ sollen kulturelle Modelle und Schemata kritisiert werden, die die
Rassifizierung anderer erst ermöglichen. Die Critical Whiteness versucht
dabei, Ansätze aus dem Postkolonialismus mit Diskurstheorie zu verbinden
und gegenseitige Abhängigkeiten von Rassismus mit Geschlecht, Religion oder
Staatsangehörigkeit zu berücksichtigen.

Im Workshop soll es um eine erste Annäherung an die Theorie der Critical
Whiteness gehen, ausgehend davon soll deren Konsequenz für eine
antirassistische Praxis ausgiebig diskutiert werden. Vorkenntnisse sind
nicht nötig.

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