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Bericht: „Wer dort war, kommt nie wieder raus“. Fahrt nach Auschwitz und Krakau (2008) PDF Drucken
Linksjugend ['solid] Brandenburg veranstaltet Fahrt für Jugendliche in die KZ-Gedenkstätte Auschwitz

Markus* ist ratlos. „Er hat die Sache erzählt. Ich hab sie gehört, aber ich hab sie irgendwie nicht wichtig gefunden, ich weiß nicht, warum ich sie nicht weitererzählt hab.“ „Er“, das ist Markus' fiktiver Vater, ebenfalls einer von 25 TeilnehmerInnen einer Fahrt der linksjugend ['solid] Brandenburg in die Gedenkstätte Auschwitz. „Er“ hatte Markus und anderen eine Geschichte erzählt, die diese wiederum ihren „Kindern“ erzählten. Und als diese vor die Gruppe traten, um darüber zu sprechen, was ihre Opas im Krieg erlebt hatten, tauchte plötzlich „die Sache“ nicht wieder auf. „Die Sache“, das war die Erschießung von russischen Zwangsarbeitern, vom Opa erwähnt, aber eben nur am Rande.

Die Erzählung von Kriegsverbrechen geht im Laufe von Generationen verloren, ist die These, die später einer der Teamer erläutern wird, aus TäterInnen und ZuschauerInnen werden im Erinnern der Enkel Opfer und Widerstandskämpfer.

Da ist es gut, dass die Jugendlichen aus ganz Brandenburg zumindest während dieser Fahrt nicht nur auf die Erzählungen ihrer Großeltern angewiesen sind. Sie besuchen die Blocks und Baracken in Auschwitz und in Auschwitz-Birkenau, stehen vor den Trümmern der Gaskammern und Krematorien, es wird dunkel als sie über die Rampe laufen, dort, wo vor 60 Jahren die Züge aus ganz Europa ankamen.

Von diesen Zügen erzählt auch Edward. Er musste am eigenen Leib erfahren, dass die Großelterngeneration der TeilnehmerInnen eben nicht nur aus Gegnern und Opfern der Nazis bestand. Der Rom zündet im besetzten Polen Panzer der Wehrmacht an, wird erwischt, kommt nach Auschwitz. Hier setzt es Schläge, weil Edward sich seine Haftnummer zunächst nicht auf deutsch merken kann. Bis heute kann Edward nicht richtig laufen, bis heute schießt die Nummer nur so aus ihm heraus. Damals war er gerade elf Jahre alt.

Edward erzählt nicht nur von schlagender SS, sondern auch von anderen Deutschen, die seinen Zug nach Bergen-Belsen beobachten, die Schreie nach „Wasser“ nicht hören wollen. Mit Stolz erzählt er auch von seinem Treffen mit dem Papst, von dem gemeinsamen Bild, das seitdem gerahmt in seiner Wohnung hängt. Ansonsten habe er wenig Respekt erfahren für das, was er getan habe, dafür aber viel Zweifel und Unglauben. Die Erinnerungen an das, was war, verfolgen ihn in seinen Träumen bis heute. Edwards Familie wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet.

Bereits zum dritten Mal veranstaltete die linksjugend ['solid] Brandenburg in diesem Jahr eine Fahrt zum Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz und nach Krakau. Bereits im Dezember gibt es ein weiteres Seminar: „Oranienburg und Sachsenhausen - die Stadt und das Lager. ZuschauerInnen im Nationalsozialismus“, mehr Infos und Anmeldung unter www.linksjugend-solid-brandenburg.de.

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